Palette ist nicht gleich Palette
Wer an Logistik denkt, denkt an Lkw, Container, Schiffe oder Flugzeuge. Ein wesentlich kleinerer Bestandteil der Transportkette wird dagegen schnell übersehen: die Palette. Dabei kann bereits die Wahl des richtigen Ladungsträgers darüber entscheiden, wie effizient eine Ware gelagert, verladen und transportiert werden kann. Abmessungen, Gewicht, Material, Tragfähigkeit und sogar das Zielland spielen dabei eine Rolle.
Denn: Palette ist nicht gleich Palette.
Der Klassiker: die Europalette
Sie dürfte der bekannteste Ladungsträger Europas sein: die Europalette. Besonders verbreitet ist die standardisierte EPAL-Europalette (EPAL 1). Ihre Maße betragen: 1.200 × 800 × 144 Millimeter
Das Eigengewicht liegt bei ungefähr 25 Kilogramm, die von EPAL angegebene sichere Arbeitslast bei 1.500 Kilogramm. Die Standardisierung ist einer ihrer großen Vorteile. Lagertechnik, Förderanlagen, Regalsysteme und Lkw-Ladeflächen können auf definierte Maße abgestimmt werden. Dadurch lässt sich vorhandener Raum effizient nutzen und der Warenumschlag vereinfachen.
Aber: Nicht jede Palette mit den Maßen 1.200 × 800 Millimeter ist automatisch eine EPAL-Europalette. Dafür muss sie den entsprechenden technischen Anforderungen entsprechen und korrekt gekennzeichnet sein.
Industriepalette: etwas mehr Fläche
Neben der Europalette begegnet man häufig Paletten im Format 1.200 × 1.000 Millimeter. Dieses größere Grundmaß bietet mehr Ladefläche und kann sich insbesondere für Waren eignen, deren Verpackungen auf der schmaleren Europalette ungünstig angeordnet werden könnten.
Allerdings ist „Industriepalette“ kein einzelnes Produkt mit immer identischer Konstruktion oder Tragfähigkeit. Entscheidend sind die jeweilige Bauart und Spezifikation. Auch EPAL bietet beispielsweise unterschiedliche Ladungsträger in diesem Größenbereich an, deren technische Eigenschaften voneinander abweichen.
Deshalb sollte bei der Transportplanung nicht allein nach den Außenmaßen entschieden werden.
Einwegpalette: Der Name sagt nicht alles
Daneben gibt es sogenannte Einwegpaletten. Sie werden häufig für Transporte eingesetzt, bei denen kein Palettentausch vorgesehen ist. „Einweg“ bedeutet dabei zunächst, dass die Palette nicht Teil eines offenen Tauschsystems wie dem EPAL-Pool sein muss. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie nach einem einzigen Transport entsorgt werden muss.
Einwegpaletten gibt es in unterschiedlichen Abmessungen, Bauweisen und Belastbarkeiten. Sie können deshalb gezielt an die jeweilige Ware angepasst werden. Gerade im Export kann das interessant sein, wenn die Palette am Zielort verbleiben soll.
Holz oder Kunststoff?
Holz ist bei Transportpaletten weit verbreitet, aber längst nicht die einzige Möglichkeit. Kunststoffpaletten können beispielsweise dort interessant sein, wo Hygiene, Feuchtigkeit oder wiederkehrende standardisierte Prozesse eine besondere Rolle spielen. Auch das Gewicht, die Lebensdauer, die Reinigungsmöglichkeiten und die vorgesehene Verwendung beeinflussen die Entscheidung.
Es gibt deshalb nicht grundsätzlich die beste Palette. Es gibt vielmehr die Palette, die zur Ware, zur Transportkette und zum vorgesehenen Einsatz passen muss.
Wenn die Ware über die Palette hinausragt
Ein häufiger Fehler beim Palettieren ist ein Überstand der Ware über die Grundfläche der Palette. Das kann gleich mehrere Probleme verursachen. Überstehende Kartons oder andere Verpackungen sind schlechter vor seitlichen Belastungen geschützt. Gleichzeitig kann die Ladung mehr Stellfläche beanspruchen als ursprünglich kalkuliert.
Das ist besonders relevant, wenn Lkw, Container oder Lagerflächen möglichst effizient ausgelastet werden sollen. Auch das Gegenteil ist nicht automatisch optimal: Wird eine große Palette nur teilweise genutzt, wird unnötig Fläche transportiert. Eine gute Palettierung versucht deshalb, Ware und Ladungsträger möglichst sinnvoll aufeinander abzustimmen.
Gewicht richtig verteilen
Nicht nur das Gesamtgewicht einer Palette ist wichtig. Entscheidend ist auch, wie dieses Gewicht verteilt ist. Schwere Güter sollten so positioniert und gesichert werden, dass die Palette stabil bleibt und sicher mit Flurförderzeugen bewegt werden kann. Eine ungünstige Gewichtsverteilung kann die Stabilität beeinträchtigen und die Ladungssicherung erschweren.
Die zulässige Belastung darf außerdem nicht einfach anhand der Größe einer Palette geschätzt werden. Sie hängt von Konstruktion, Zustand und Spezifikation des jeweiligen Ladungsträgers ab. Bei einer EPAL-Europalette beträgt die sichere Arbeitslast beispielsweise 1.500 Kilogramm.
Die Palette und die Ladungssicherung
Eine Palette macht aus einzelnen Kartons oder Bauteilen eine Ladeeinheit – aber nur dann, wenn die Ware darauf ausreichend gesichert ist. Je nach Produkt können beispielsweise eingesetzt werden:
- Stretchfolie,
- Umreifungsbänder,
- Kantenschutz,
- Antirutschmaterialien,
- Zwischenlagen.
Welche Sicherung erforderlich ist, hängt von der jeweiligen Ware und der gesamten Transportart ab. Denn während des Transports wirken Kräfte auf die Ladung: beim Bremsen eines Lkw, beim Umschlag mit dem Stapler oder während einer Seereise. Palette, Verpackung und Ladungssicherung sollten deshalb nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Was bedeutet eigentlich Palettentausch?
Gerade bei Europaletten begegnet einem häufig der Begriff Palettentausch. Vereinfacht gesagt können tauschfähige Ladungsträger innerhalb eines vereinbarten Systems gegen entsprechende Paletten ausgetauscht werden. Allerdings ist eine gebrauchte Europalette nicht automatisch unbegrenzt tauschfähig.
EPAL definiert Kriterien für die Austauschbarkeit. Paletten mit Schäden oder Mängeln, durch die ihre Gebrauchsfähigkeit verloren geht, sind nicht mehr tauschfähig und müssen für die Wiederherstellung durch einen entsprechend lizenzierten Reparaturbetrieb instand gesetzt werden. EPAL unterscheidet zudem Qualitätsklassen; deren Anwendung setzt eine entsprechende Vereinbarung zwischen den beteiligten Unternehmen voraus.
Für Verlader und Transporteure bedeutet das: Auch der Zustand der Palette gehört zur Transportplanung.
International besonders wichtig: ISPM 15
Bei internationalen Transporten mit Holzverpackungen kommt ein weiteres Thema hinzu: der Pflanzenschutz. Unbehandeltes Holz kann Schädlinge über Ländergrenzen hinweg transportieren. Deshalb regelt der internationale Standard ISPM 15 phytosanitäre Maßnahmen für bestimmtes Verpackungsmaterial aus Rohholz im internationalen Warenverkehr. Dazu zählen unter anderem Paletten, Kisten und Stauholz.
Das betreffende Holzverpackungsmaterial muss entsprechend den geltenden Anforderungen behandelt und gekennzeichnet sein. Die international vorgesehene Kennzeichnung enthält unter anderem Länder-, Hersteller beziehungsweise Behandler- und Behandlungscodes.
Wichtig dabei: ISPM 15 gilt nicht pauschal für jede Palette und jeden grenzüberschreitenden Transport. Unter anderem sind Holzwerkstoffe aus entsprechend verarbeitetem Material wie beispielsweise Sperrholz vom Standard ausgenommen. Außerdem hängt die praktische Anwendung von den Anforderungen der beteiligten Länder ab.
Gerade bei Exporten außerhalb der EU sollte deshalb frühzeitig geprüft werden, welche Anforderungen im Zielland gelten.
Kann die falsche Palette einen Transport verteuern?
Durchaus. Der Preis einer Palette selbst ist dabei nur ein Faktor. Entscheidend ist, welche Auswirkungen die Wahl des Ladungsträgers auf die gesamte Transportkette hat. Eine ungünstige Palette kann beispielsweise:
- vorhandenen Laderaum schlecht ausnutzen,
- die Anzahl benötigter Stellplätze erhöhen,
- eine sichere Stapelung erschweren,
- zusätzlichen Verpackungsaufwand verursachen,
- Probleme beim Umschlag verursachen,
- oder bei internationalen Transporten zusätzliche Anforderungen auslösen.
Deshalb beginnt effiziente Logistik manchmal nicht mit der Wahl des Verkehrsträgers – sondern bereits mit der Frage, worauf die Ware eigentlich steht.
Paletten sind weit mehr als ein Stück Holz unter der Ware. Abmessungen, Tragfähigkeit, Zustand, Material und Exportanforderungen beeinflussen Sicherheit und Effizienz der gesamten Transportkette. Wer den Ladungsträger frühzeitig mitplant, kann vorhandenen Raum besser nutzen, Risiken reduzieren und unnötige Zusatzkosten vermeiden.
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